
Bild von Petra Tielen: Engel der Stille auf Leinwand
„Je lauter die Welt um mich herum wird, desto mehr spüre ich,
wie kostbar die Stille ist – und wie Reiki genau dort beginnt.“
Manchmal beginnt ein Gedanke über Reiki gar nicht mit Reiki.
Sondern mit dem Leben.
Mit der Frage, warum so viele Menschen heute so erschöpft sind. Warum es uns oft so schwerfällt, wirklich zur Ruhe zu kommen. Warum selbst stille Momente manchmal nicht mehr still sind, weil es in uns weiterdenkt, weiterplant und weiterarbeitet.
Unsere Welt ist laut geworden.
Nicht nur äußerlich. Auch innerlich.
Nachrichten, Termine, Verpflichtungen, Gespräche, Erwartungen, Entscheidungen. Dazu das Handy, das fast immer in Reichweite liegt. Die vielen Eindrücke, die wir aufnehmen. Die Gedanken, die weiterlaufen, selbst wenn äußerlich gerade nichts geschieht.
Viele Menschen erleben kaum noch wirkliche Stille.
Und vielleicht sehnen wir uns gerade deshalb so sehr nach ihr.
Nicht nach einer Stille, in der nichts mehr ist. Sondern nach einem Moment, in dem wir wieder bei uns ankommen dürfen.
Als ich Reiki kennenlernte, dachte ich zunächst, Reiki beginne mit dem Handauflegen.
Mit den Positionen der Hände. Mit dem Ablauf einer Behandlung. Mit dem Moment, in dem die Reiki-Energie fließt.
Natürlich gehört all das zur Reiki-Praxis. Die Hände sind ein wunderbares Werkzeug. Sie schenken Halt, Wärme und Verbindung. Und doch würde ich heute sagen: Reiki beginnt für mich schon früher.
Reiki beginnt in dem Moment, in dem ich bereit bin, still zu werden.
In dem Moment, in dem ich nicht mehr nur mehr tun möchte. Nicht mehr erreichen, lenken oder verstehen muss. Sondern einfach da bin.
Mit meinem Atem.
Mit meinem Körper.
Mit meinen Händen.
Mit dem, was gerade ist.
Diese Erkenntnis ist für mich mit den Jahren immer wichtiger geworden.
Denn je länger ich Reiki praktiziere, desto mehr spüre ich: Die eigentliche Tiefe entsteht nicht durch ein Mehr an Technik oder ein mehr an Kontrolle. Sie entsteht durch die Bereitschaft, still zu werden und der Reiki-Energie zu vertrauen und loszulassen.
Stille bedeutet nicht einfach, dass es keine Geräusche gibt.
Manchmal ist es um uns herum ganz ruhig, doch in uns ist es laut. Gedanken kreisen. Bewertungen tauchen auf. Zweifel melden sich. Erinnerungen kommen hoch. Wir denken über das nach, was war, oder sorgen uns um das, was kommen könnte.
Stille ist deshalb nicht nur äußere Ruhe.
Sie ist ein innerer Raum.
Ein Raum, in dem ich bemerke, was gerade in mir lebendig ist. Manchmal zeigt sich dort Frieden. Manchmal Dankbarkeit. Manchmal aber auch Erschöpfung, Traurigkeit, Unruhe oder Anspannung.
Das ist nichts Schlechtes.
Vielleicht ist es sogar der Anfang.
Denn oft spüren wir erst in der Stille, wie es uns wirklich geht. Solange wir funktionieren, weitermachen und beschäftigt bleiben, überhören wir leicht die leisen Signale unseres Körpers und unserer Seele.
In der Stille werden sie wieder wahrnehmbar.
Nicht, um sie sofort zu verändern.
Nicht, um sie zu bewerten.
Sondern um ihnen mit etwas mehr Achtsamkeit zu begegnen.
Reiki braucht keine vollkommene Stille.
Es ist nicht so, dass zuerst alle Gedanken „verschwinden“ müssten, damit Reiki fließen kann. Reiki verlangt keine innere Perfektion. Keine besondere Stimmung. Kein leeres Bewusstsein.
Und doch beginnt Reiki für mich in der Stille, weil ich dort wieder wahrnehme, was längst da ist.
Den Atem.
Den Körper.
Die Hände.
Die Wärme.
Den Fluss der Energie.
Mich selbst.
Wenn ich still werde, verändert sich mein Fokus. Ich bin nicht mehr so sehr im Denken, Planen oder Bewerten. Ich komme mehr ins Spüren.
Und genau dort wird Reiki erfahrbar – spürbar.
Nicht als etwas, das ich machen muss. Sondern als etwas, dem ich Raum gebe.
Ich lege die Hände auf. Ich werde still. Ich richte meine Aufmerksamkeit auf den Moment und auf den Energiefluß in meinen Händen.
So einfach kann es sein.
Und vielleicht ist es gerade diese Einfachheit die Reiki heute so kostbar macht.
In fast zwanzig Jahren hat sich mein Blick auf die Reiki-Praxis verändert.
Am Anfang standen für mich stärker die Handpositionen, der Ablauf und die Technik im Vordergrund. Ich wollte verstehen, wie Reiki angewendet wird, was zu beachten ist und wie eine Behandlung richtig durchgeführt wird. Vor allem wollte ich verstehen, was ich spüre, warum ich etwas spüre – und warum manchmal vielleicht auch scheinbar nichts zu spüren ist.
Das war wichtig. Es hat mir Sicherheit gegeben.
Doch mit der Zeit ist etwas anderes in den Vordergrund getreten.
Heute weiß ich: Reiki wird nicht tiefer, weil ich immer mehr tue. Reiki wird tiefer, wenn ich einfacher werde.
Manchmal genügt ein stiller Moment.
Ein Atemzug.
Ein Innehalten.
Die Hände auf dem Herzen.
Ein bewusstes Wahrnehmen dessen, was gerade ist.
Reiki gehört für mich nicht nur in den Behandlungsraum oder ins Seminar. Es gehört mitten ins Leben.
In einen vollen Tag.
In eine unruhige Nacht.
In einen Moment der Erschöpfung.
In eine Situation, in der ich mich selbst fast verloren habe.
Gerade dann kann Stille eine Tür sein.
Zurück zu mir.
Zurück zum Atem.
Zurück in die Verbindung.
Vielleicht brauchen wir heute nicht noch mehr Selbstoptimierung.
Nicht noch mehr Methoden, mit denen wir besser funktionieren sollen.
Nicht noch mehr Wissen, das uns sagt, was wir alles verändern müssten.
Nicht noch mehr Schritte, die wir abarbeiten müssen, um endlich „richtig“ bei uns anzukommen.
Vielleicht brauchen wir zuerst wieder Räume, in denen wir nichts leisten müssen.
Räume, in denen wir nicht funktionieren, erklären, reagieren oder stark sein müssen. Räume, in denen wir einfach da sein dürfen.
Für mich bietet Reiki genau einen solchen Raum. Einen Raum, in dem Stille entstehen darf. Nicht nur äußere Stille, sondern auch die Möglichkeit, innerlich für einen Moment zur Ruhe zu kommen.
Es ist kein Luxus. Es ist eine Form von Selbstfürsorge.
Gerade in einer lauten Welt kann diese bewusste Stille uns daran erinnern, dass wir mehr sind als unsere Aufgaben, Gedanken und Verpflichtungen. Sie schenkt uns die Möglichkeit, wieder bei uns selbst anzukommen und wahrzunehmen, was in diesem Moment wirklich da ist.
Vielleicht beginnt genau dort der eigentliche Reiki-Weg.
Nicht laut.
Nicht drängend.
Nicht fordernd.
Sondern still.
Auch in meinen Reiki-Seminaren ist Stille wichtig.
Nicht als Programmpunkt, der abgehakt werden muss. Sondern als Haltung.
Mir ist wichtig, dass Menschen nicht nur Techniken lernen, sondern auch erleben dürfen, dass Reiki nicht durch Anstrengung entsteht. Niemand muss etwas Besonderes leisten. Niemand muss sofort etwas spüren. Niemand muss alles richtig machen.
Es darf still werden.
Es darf Raum entstehen.
Für Fragen. Für Erfahrungen. Für Unsicherheit. Für Vertrauen.
Gerade am Anfang ist das oft heilsam. Denn viele Menschen sind es gewohnt, etwas können, verstehen oder beweisen zu müssen. Reiki lädt zu etwas anderem ein.
Zum Empfangen.
Zum Wahrnehmen.
Zum Vertrauen.
Und manchmal beginnt genau dort der ganz eigene Reiki-Weg.
Vielleicht beginnt Reiki nicht in den Händen.
Vielleicht beginnt es in dem Moment, in dem wir bereit sind, für einen Augenblick still zu werden.
Nicht, um etwas zu erreichen.
Nicht, um etwas Besonderes zu erleben.
Sondern um wieder wahrzunehmen, was längst da ist.
Den Atem.
Den Körper.
Die Hände.
Die Energie.
Uns selbst.
Und vielleicht ist genau diese Stille heute kostbarer denn je.

In diesem Blog teile ich Wissenswertes über das traditionelle Usui Reiki, spirituelle Impulse und Gedanken, die den Alltag mit mehr Achtsamkeit, Vertrauen und innerer Verbundenheit bereichern können.
Jeder Lichtblick ist eine Einladung zum Innehalten. Vielleicht begleitet Sie der eine oder andere Gedanke ein Stück auf Ihrem Weg.

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© 2026 Dr.rer.nat. Petra Tielen