
Bild von Petra Tielen: Engel der Dankbarkeit auf Leinwand
„In Studien zeigte sich, dass Menschen, die regelmäßig Dankbarkeit übten, mehr Optimismus, positive Stimmung und Verbundenheit erlebten.“
Bewusst geübte Dankbarkeit begleitet mich schon lange.
Im Reiki begegnet sie mir in den fünf Lebensregeln. „Sei dankbar für alles, was lebt.“ Ein einfacher Satz. Und doch einer, der viel tiefer geht, als es auf den ersten Blick scheint.
Früher war Dankbarkeit für mich vielleicht vor allem ein schönes Wort. Etwas, das man sagt, wenn etwas gut läuft. Wenn man Glück hatte. Wenn einem etwas geschenkt wurde.
Heute erlebe ich Dankbarkeit anders.
Nicht als Gefühl, das einfach da sein muss.
Nicht als Pflicht, positiv zu denken.
Nicht als Aufforderung, Schwieriges kleinzureden.
Sondern als eine tägliche Übung.
Eine innere Ausrichtung, die mich immer wieder daran erinnert, meinen Blick zu weiten. Nicht nur auf das, was fehlt. Nicht nur auf das, was schwer ist. Sondern auch auf das, was trägt.
Vielleicht liegt es an meinem Weg.
Bevor ich Heilpraktikerin wurde und Reiki immer mehr zu einem festen Teil meines Lebens wurde, war ich viele Jahre in der Naturwissenschaft zu Hause. Ich wollte verstehen. Zusammenhänge erkennen. Den Dingen auf den Grund gehen.
Und so wurde irgendwann auch bei der Dankbarkeit meine Wissenschaftlerin in mir neugierig.
Ich fragte mich: Ist Dankbarkeit nur eine schöne spirituelle Haltung? Oder lässt sich tatsächlich beobachten, dass sie etwas in uns verändert?
Nicht, weil ich der Dankbarkeit misstraut hätte.
Sondern weil ich wissen wollte, ob das, was viele Menschen intuitiv spüren, auch in der Forschung sichtbar wird.
Und tatsächlich beschäftigt sich die positive Psychologie seit vielen Jahren mit Dankbarkeit. Besonders bekannt sind die Arbeiten von Robert Emmons und Michael McCullough. In ihren Untersuchungen zeigte sich, dass Menschen, die regelmäßig notierten, wofür sie dankbar waren, häufiger positive Gefühle, mehr Optimismus und ein stärkeres Wohlbefinden erlebten.
Das hat mich berührt.
Nicht, weil Wissenschaft damit etwas „beweist“, was nur dann wertvoll wäre. Sondern weil sie auf ihre Weise sichtbar macht, was viele spirituelle Wege schon lange lehren:
Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, verändert etwas in uns.
Dankbarkeit ist mehr als ein höfliches „Danke“.
In der Forschung wird sie als Haltung, als Gefühl und auch als Praxis betrachtet. Sie kann in einem Moment entstehen, wenn uns etwas Gutes widerfährt. Sie kann aber auch bewusst geübt werden, indem wir regelmäßig wahrnehmen, was in unserem Leben trotz allen Widrigkeiten da ist.
Studien weisen darauf hin, dass Dankbarkeit mit mehr Wohlbefinden, positiver Stimmung, Optimismus und Verbundenheit zusammenhängen kann. Manche Untersuchungen zeigen auch, dass Dankbarkeitsübungen Menschen helfen können, den Blick stärker auf Ressourcen, Beziehungen und unterstützende Erfahrungen zu richten.
Für mich ist daran besonders wichtig: Dankbarkeit verändert nicht unbedingt sofort die äußeren Umstände.
Aber sie kann den inneren Blick verändern.
Und manchmal verändert genau das, wie wir dem Leben begegnen.
Barbara Fredrickson beschreibt in ihrer Forschung zu positiven Emotionen, dass Gefühle wie Freude, Interesse, Liebe oder Dankbarkeit unseren Blick weiten können.
Während Angst, Stress oder Ärger unseren Fokus häufig verengen, erweitern positive Emotionen unseren Blick und erleichtern es uns, neue Möglichkeiten und kreative Lösungen zu erkennen.
Das bedeutet nicht, dass wir immer dankbar oder positiv sein müssen.
Aber es zeigt, dass kleine Momente von Dankbarkeit eine Kraft haben können. Sie können unseren inneren Horizont erweitern. Sie können uns daran erinnern, dass neben dem Schweren auch anderes da ist.
Und doch fällt Dankbarkeit nicht immer leicht.
Das hat auch mit unserem Gehirn zu tun.
Aus biologischer Sicht ist es sinnvoll, dass unser Gehirn Gefahren, Mangel und Probleme besonders schnell wahrnimmt. Für unsere Vorfahren war es überlebenswichtig, mögliche Bedrohungen nicht zu übersehen. Das Schwierige, Gefährliche oder Unstimmige bekam deshalb oft mehr Aufmerksamkeit als das Gute, Stille oder Tragende.
Heute leben die meisten nicht mehr in derselben äußeren Gefahr. Aber unser Nervensystem reagiert noch immer sehr schnell auf das, was fehlt, stört oder bedroht.
Eine kritische Bemerkung bleibt länger hängen als ein freundliches Wort.
Eine Sorge kann den ganzen Tag überschatten.
Ein ungelöstes Problem drängt sich stärker auf als zehn Dinge, die gut gelaufen sind.
Vielleicht ist Dankbarkeit deshalb keine Selbstverständlichkeit.
Vielleicht ist sie eine bewusste Übung gegen eine alte innere Gewohnheit.
Nicht, um das Schwierige zu verdrängen. Sondern um dem Guten wieder mehr Raum zu geben.
Dankbarkeit bedeutet nicht, dass alles gut ist.
Sie bedeutet nicht, dass wir Schmerz, Trauer, Wut oder Erschöpfung übergehen sollen. Und sie fordert auch nicht, für jede schwere Erfahrung sofort dankbar zu sein. Manche Lebensereignisse brauchen Zeit. Erst wenn wir die Perle entdecken, die in ihnen verborgen war, kann aus Schmerz manchmal echte Dankbarkeit wachsen.
Für mich ist Dankbarkeit deshalb kein Schönreden und auch kein Verdrängen. Sie ist vielmehr eine behutsame Einladung, die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was uns trotz allem trägt, und sich immer wieder zu fragen:
Was ist da, auch wenn nicht alles leicht ist?
Was schenkt mir gerade Kraft?
Welche Perle könnte in dieser Erfahrung verborgen sein?
Was soll ich lernen?
Was habe ich vielleicht bisher übersehen?
Manchmal ist die Antwort groß. Manchmal ganz klein.
Ein Mensch, der zuhört.
Ein warmer Tee.
Ein Sonnenstrahl.
Ein ruhiger Atemzug.
Die Hand auf dem Herzen.
Dankbarkeit muss nicht laut sein. Sie muss nicht feierlich sein. Sie darf ganz schlicht beginnen.
Im Reiki-Weg gehört Dankbarkeit zu den Lebensregeln.
„Sei dankbar für alles, was lebt.“
Als ich diesen Satz zum ersten Mal hörte, klang er für mich groß. Vielleicht sogar zu groß. Dankbar für alles, was lebt? Wie soll das gehen?
Heute verstehe ich ihn nicht als Forderung.
Ich verstehe ihn als Einladung.
Als Einladung, das Leben bewusster wahrzunehmen. Nicht nur das eigene. Auch das Leben um mich herum. Die Natur. Tiere. Pflanzen. Menschen. Den Atem. Den Körper. Die Kraft, die in allem Lebendigen wirkt.
Dankbarkeit verbindet.
Sie führt mich aus dem engen Kreisen um mich selbst heraus und erinnert mich daran, dass ich Teil von etwas Größerem bin.
Vielleicht ist sie deshalb im Reiki so wichtig.
Denn Reiki ist für mich nicht nur eine Energie, die durch die Hände fließt. Reiki ist auch eine Haltung dem Leben gegenüber. Eine Haltung von Achtsamkeit, Vertrauen und Verbundenheit und eben Dankbarkeit.
Es gibt Tage, an denen Dankbarkeit schwerfällt.
Tage, an denen Sorgen lauter sind.
Tage, an denen der Körper müde ist.
Tage, an denen das Herz eng bleibt.
Tage, an denen ein Satz wie „Sei dankbar“ fast weh tun kann.
Auch das darf sein.
Gerade dann sollte Dankbarkeit keine Pflicht sein, sondern eine Einladung.
Vielleicht genügt es an solchen Tagen, nicht nach dem Großen zu suchen. Vielleicht genügt etwas Kleines.
Ein Atemzug.
Ein Lichtstrahl am Fenster.
Ein Vogel vor dem Haus.
Ein Glas Wasser.
Ein Moment, in dem nichts von mir verlangt wird.
Manchmal beginnt Dankbarkeit nicht mit einem großen Gefühl.
Manchmal beginnt sie mit einem leisen Wahrnehmen.
Da ist etwas.
Nicht alles.
Aber etwas.
Und manchmal reicht genau das für diesen einen Moment.
Dankbarkeit macht das Leben nicht perfekt.
Sie nimmt uns nicht alle Schwierigkeiten. Sie löst nicht jedes Problem. Sie schützt uns nicht davor, traurig, müde oder verunsichert zu sein.
Aber sie kann etwas in uns wachsen lassen.
Vertrauen.
Verbundenheit.
Gelassenheit.
Inneren Frieden.
Vielleicht auch Demut. Nicht im Sinne von Kleinwerden, sondern im Sinne von Staunen. Darüber, dass selbst in schwierigen Zeiten etwas da sein kann, das trägt.
Für mich ist Dankbarkeit deshalb keine fertige Haltung, die man irgendwann erreicht.
Sie ist ein Weg.
Ein tägliches Erinnern.
Ein neuer Blick.
Eine Entscheidung, immer wieder auch das wahrzunehmen, was gut ist.
Vielleicht verändert Dankbarkeit nicht die Welt.
Aber sie verändert den Blick, mit dem wir ihr begegnen.
Und manchmal ist genau das der Anfang einer Veränderung.
Nicht, weil plötzlich alles leicht wird.
Sondern weil wir wieder spüren, dass neben allem Schweren auch etwas anderes da ist.
Etwas Lebendiges.
Etwas Tragendes.
Etwas, das uns verbindet.
Gerade heute.
Quellen: Robert A. Emmons & Michael E. McCullough, „Counting blessings versus burdens“; Barbara Fredrickson, „Broaden-and-build theory“

In diesem Blog teile ich Wissenswertes über das traditionelle Usui Reiki, spirituelle Impulse und Gedanken, die den Alltag mit mehr Achtsamkeit, Vertrauen und innerer Verbundenheit bereichern können.
Jeder Lichtblick ist eine Einladung zum Innehalten. Vielleicht begleitet Sie der eine oder andere Gedanke ein Stück auf Ihrem Weg.

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