
Bild von Petra Tielen: Engel der Klarheit auf Leinwand
„Wir Menschen neigen dazu, Dinge kompliziert zu machen – auch Spiritualität. Dabei hat mich Reiki gerade deshalb so tief berührt, weil ich dort erfahren durfte, dass es auch anders geht.“
Es gibt einen Satz aus meiner Reiki-Ausbildung, der mich seit fast zwanzig Jahren begleitet.
„Hands on – Reiki on.“
Mit diesen wenigen Worten brachte Hawayo Takata auf den Punkt, was Reiki für sie im Kern ausmachte.
Damals hatte ich – wie viele andere vermutlich auch – erwartet, dass Reiki etwas sehr Komplexes sein würde. Vielleicht müsste ich besondere Fähigkeiten entwickeln, bestimmte Rituale lernen, mich aufwendig vorbereiten oder genau wissen, was ich während einer Behandlung tun sollte und wohin ich meine Aufmerksamkeit und meine Gedanken während einer Behandlung richten soll.
Doch stattdessen hörte ich einen Satz, der mich zunächst fast überraschte:
„Leg einfach die Hände auf“
Mehr nicht. Reiki fließt einfach.
Je länger ich Reiki praktiziere, desto mehr wird mir bewusst, wie viel Tiefe in dieser Einfachheit liegt.
Manchmal beginnt alles ganz harmlos.
Du interessierst dich für ein neues Thema und beginnst zu lesen. Ein Buch führt zum nächsten, dazu kommen Videos, Podcasts, Kurse und immer neue Methoden und Begriffe. Und irgendwann entsteht der Eindruck, dass du noch längst nicht genug weißt.
Vielleicht fehlt noch dieses Seminar. Vielleicht brauchst du noch einen bestimmten Kristall oder eine bestimmte Technik. Vielleicht musst du erst dieses oder jenes lernen und können.
Je länger du suchst, desto weiter scheint das eigentliche Ziel in die Ferne zu rücken.
Dabei passiert etwas Interessantes: Aus dem Wunsch nach innerem Wachstum kann ganz unbemerkt der Wunsch werden, alles richtig machen zu wollen.
In den fast zwanzig Jahren, in denen Reiki mich begleitet, bin ich vielen anderen spirituellen Wegen begegnet. Ich habe verschiedene Meditationstechniken kennengelernt, Atemübungen ausprobiert, mit Gebeten gearbeitet, Mantras rezitiert und Affirmationen gesprochen. Vieles davon empfinde ich bis heute als bereichernd und manches begleitet mich auch weiterhin.
Ich glaube, jede dieser Methoden kann uns etwas Wertvolles schenken.
Und dennoch ist mir im Laufe der Jahre etwas aufgefallen: Fast alle spirituellen Wege bringen ihre eigenen Regeln und Vorstellungen mit. Wie man sitzen sollte. Wie man atmen sollte. Welche Gedanken hilfreich sind. Wie lange eine Übung dauern sollte. Welche Vorbereitung notwendig ist.
Das ist zunächst überhaupt nichts Negatives. Regeln können Orientierung geben, und gerade am Anfang helfen sie uns, eine neue Praxis kennenzulernen.
Doch manchmal geschieht etwas anderes.
Aus einer Unterstützung wird unbemerkt eine Voraussetzung. Aus einer Möglichkeit wird ein „So muss es sein“. Und plötzlich entsteht das Gefühl, erst alles richtig machen zu müssen, bevor wir überhaupt beginnen dürfen.
Vielleicht brauchen wir dann noch mehr Wissen, noch eine weitere Methode und noch eine weitere Anleitung – und verlieren dabei genau das aus dem Blick, wonach wir ursprünglich gesucht haben: den Weg zurück zu uns selbst.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist das gar nicht so überraschend.
Unser Gehirn neigt dazu, komplexe Zusammenhänge oft als besonders wertvoll einzuschätzen. Etwas, das schwer verständlich ist oder viele Regeln besitzt, erscheint uns häufig bedeutender als etwas, das einfach wirkt.
Psychologen sprechen unter anderem vom Komplexitäts-Bias. Wir neigen dazu zu glauben, dass eine komplizierte Lösung besser sein müsse als eine einfache – selbst dann, wenn beide zum gleichen Ergebnis führen.
Vielleicht kennst du das aus anderen Lebensbereichen.
Ein Medikament mit einem komplizierten Namen wirkt auf viele Menschen überzeugender als ein einfacher Hausrat.
Ein aufwendiges Trainingsprogramm erscheint effektiver als ein täglicher Spaziergang.
Und eine spirituelle Praxis mit vielen Regeln wirkt oft bedeutender als eine, die uns einfach einlädt, still zu werden.
Doch Einfachheit ist nicht dasselbe wie Oberflächlichkeit.
Manchmal ist sie das Ergebnis einer langen Entwicklung.
Und genau hier kann es auch in der Spiritualität passieren, dass aus etwas, das uns eigentlich unterstützen soll, eine weitere Aufgabe wird.
Man nimmt sich vor zu meditieren, doch der Tag war lang, der Kopf ist voller Gedanken und die innere Unruhe lässt sich einfach nicht abschütteln. Also verschiebt man es auf morgen.
Oder man möchte sich selbst Reiki geben und denkt, dass man sich vorher erst ausreichend sammeln, reinigen oder innerlich vorbereiten müsste.
Die Zeit reicht heute nicht.
Der Kopf ist zu voll.
Die Gedanken sind zu laut.
Und so macht man am Ende lieber gar nichts.
Gerade bei spirituellen Praktiken kann aus all den Regeln und Vorstellungen, die uns eigentlich Orientierung geben sollen, schnell eine Art Leistung werden, die wir erst erfüllen müssen.
Manchmal begegne ich Menschen, die glauben, sie müssten vor einer Reiki-Anwendung zunächst dieses oder jenes tun. Sie fragen, ob sie sich besonders schützen müssen, ob sie vorher meditieren sollten, ob bestimmte Rituale notwendig sind oder ob sie erst noch etwas lernen müssen, bevor sie Reiki anwenden dürfen.
Andere glauben, sie müssten zunächst ihre Aura reinigen, eine Kerze anzünden, die passende Musik finden, bestimmte Wesenheiten anrufen, Symbole visualisieren oder sich vorher in einen ganz bestimmten Bewusstseinszustand bringen.
Wer diese Rituale liebt und sie als Bereicherung erlebt, darf sie selbstverständlich weiter praktizieren. Ich möchte darüber überhaupt nicht urteilen.
Doch für mich persönlich gehört all das nicht zum Wesen des Reiki.
Denn all diese zusätzlichen Vorgaben können etwas bewirken, das eigentlich niemand beabsichtigt: Reiki wird kompliziert.
Plötzlich braucht es den richtigen Raum, ausreichend Ruhe, genügend Zeit, die passende innere Verfassung und das Gefühl, wirklich bereit zu sein. Und wenn all das gerade nicht gegeben ist, wird Reiki auf später verschoben.
Dabei erinnere ich mich oft an meine eigene Überraschung während meiner Ausbildung: Ich durfte meine Hände einfach auflegen.
Das war alles.
Ich musste nichts beweisen. Ich musste nicht perfekt vorbereitet sein. Ich musste nicht erst ein bestimmter Mensch werden, der bestimmte Voraussetzungen erfüllt, bestimmte Dinge weiß oder etwas Bestimmtes können muss.
Ich glaube, genau das hat mich damals so tief berührt.
Reiki begann nicht mit Leistung.
Es begann mit dem einfachen Auflegen der Hände.
Und vielleicht liegt gerade darin etwas Wesentliches: Eine spirituelle Praxis muss nicht noch eine weitere Aufgabe auf unserer ohnehin schon langen Liste werden. Sie darf etwas sein, zu dem wir jederzeit zurückkehren können – gerade dann, wenn der Alltag laut ist, der Kopf voll und die Zeit knapp.
Für mich ist Reiki deshalb nichts, das ich erst unter bestimmten Bedingungen herstellen muss. Ich muss keinen besonderen Zustand erzwingen und nichts perfekt machen.
Ich lege meine Hände auf und werde still.
Und genau darin liegt für mich die Einfachheit von Reiki.
Eines der größten Geschenke, die Reiki mir gemacht hat, ist genau diese Freiheit.
Ich muss nicht warten, bis mein Geist vollkommen ruhig geworden ist. Ich muss nicht alle Gedanken loswerden und auch nicht besonders entspannt sein. Ich muss nicht perfekt vorbereitet sein.
Ich darf einfach beginnen.
Gerade an den Tagen, an denen ich mich unruhig fühle. Gerade dann, wenn das Leben turbulent ist. Und gerade dann, wenn ich eigentlich glaube, keine Zeit zu haben.
Denn genau in diesen Momenten brauche ich Reiki am meisten.
Diese Erfahrung begleitet mich seit vielen Jahren. Je weniger Bedingungen ich an mich selbst stelle, desto leichter fällt es mir, Reiki tatsächlich in meinen Alltag zu integrieren.
Vielleicht liegt darin ein Gedanke, der weit über Reiki hinausgeht.
Wir leben in einer Zeit, in der wir ständig versuchen, uns zu verbessern. Wir möchten achtsamer sein, gelassener werden, gesünder leben, besser meditieren und spirituell wachsen.
Selbst Spiritualität kann dabei unbemerkt zu einer weiteren Aufgabe auf unserer To-do-Liste werden.
Doch was wäre, wenn Wachstum nicht immer bedeutet, mehr zu tun?
Was wäre, wenn es manchmal vielmehr darum geht, weniger zu tun? Nicht ständig nach der nächsten Methode zu suchen und nicht immer noch mehr wissen zu müssen, sondern dem zu vertrauen, was bereits in uns angelegt ist.
Vielleicht müssen wir nicht immer noch etwas hinzufügen.
Vielleicht dürfen wir manchmal einfach wahrnehmen, was schon da ist.
Nach fast zwanzig Jahren mit Reiki glaube ich heute, dass seine größte Stärke gerade in seiner Einfachheit liegt.
Natürlich freue ich mich über alles, was meinen Weg bereichert hat. Meditation, Atemübungen, Gebete oder Mantras können wunderbare Begleiter sein. Manchmal nutze ich sie auch während einer Reiki-Anwendung oder davor, weil sie mir persönlich guttun.
Doch ich unterscheide heute sehr bewusst zwischen dem, was mich unterstützt, und dem, was Reiki selbst ausmacht.
Für mich sind all diese Methoden Einladungen.
Keine Voraussetzungen.
Reiki beginnt für mich nicht erst dann, wenn mein Geist vollkommen still geworden ist. Es beginnt in dem Moment, in dem ich bereit bin, meine Hände aufzulegen und mich für diesen Augenblick zu öffnen.
Vielleicht ist genau das die größte Freiheit, die Reiki mir geschenkt hat:
Ich muss nichts weiter tun, damit Reiki sein darf.
Ich darf einfach beginnen.
Je länger ich Reiki praktiziere, desto mehr wächst in mir die Überzeugung, dass das Wesentliche oft erstaunlich einfach ist.
Nicht alles, was tief berührt, muss kompliziert sein.
Nicht jede spirituelle Erfahrung braucht viele Regeln, Rituale oder Vorbereitungen.
Manchmal genügt es, einen Moment innezuhalten.
Die Hände aufzulegen.
Den Atem zu spüren.
Und sich dem zuzuwenden, was bereits da ist.
Vielleicht beginnt Spiritualität genau dort.
Nicht darin, immer mehr zu lernen.
Sondern darin, wieder einfacher zu werden.

In diesem Blog teile ich Wissenswertes über das traditionelle Usui Reiki, spirituelle Impulse und Gedanken, die den Alltag mit mehr Achtsamkeit, Vertrauen und innerer Verbundenheit bereichern können.
Jeder Lichtblick ist eine Einladung zum Innehalten. Vielleicht begleitet Sie der eine oder andere Gedanke ein Stück auf Ihrem Weg.

Die beste Zeit
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ist jetzt.
ICH FREUE MICH AUF DICH
Bei Fragen oder zur Terminvereinbarung
bin ich gerne für dich da.
© 2026 Dr.rer.nat. Petra Tielen